10 Fragen an…

Andreas Rühle

Eigentlich muss man zu diesem Namen nicht mehr viel sagen, oder? Andreas Rühle ist nicht nur durch seine Bücher bekannt, die wir selbst im Regal stehen haben und als umfassende Literatur von Herzen empfehlen können. Insbesondere seine Fotos von Wildkaninchen erfreuen sich großer Beliebtheit auf Facebook. Aber schlussendlich sind es seine Plattformen, die zig Kanincheninteressierte mit fundiertem Fachwissen versorgen. Sein Slogan (und Buchtitel) „Kaninchen würden Wiese kaufen“ ist absolut stimmig, denn genau das ist es, wofür Andreas seit vielen Jahren plädiert.

Wir möchten ihn heute einmal von einer anderen Seite vorstellen und haben ihn zum Interview eingeladen.

Andreas, wir schätzen Dich als Kaninchenfachmann, kennen Deine Plattform(en), Deine Artikel und Bücher. Doch wir möchten jetzt mal ganz von vorne anfangen. Wie bist Du eigentlich ans „Kaninchen“ gekommen? Wann zog das erste Kaninchen ein? Bist Du ihnen dann sofort verfallen?

„Vielen Dank an das Langohrtraumzuhause für die Gelegenheit der Beantwortung von interessanten Fragen, was nicht immer so einfach ist. Begonnen hat alles vor rund 20 Jahren mit dem Wunsch meiner Familie nach 2 Kaninchen. Ich selbst hatte bis dahin nie die Gelegenheit, Tiere zu halten. Wir haben also zwei Buben vom Tierschutz geholt – Max und Paul. Ich habe einen Stall gebaut, in dem sie die Nacht verbrachten und tagsüber hatten sie eine große Wiese zur Verfügung. In einer kalten Winternacht wurde aus Paul plötzlich Pauline und gebar 4 Junge. Weil Max gleich die nächste Gelegenheit nutzte, waren es 31 Tage später noch einmal 4. „

Du zählst heute zu einem der Fachleute, die unglaublich tiefgreifend Auskunft geben können, so als hätte es nie etwas anderes in ihrem Leben außer Kaninchenwissen gegeben. Hast Du Dich schon vor dem Zusammenleben mit Kaninchen mit diesen befasst? Oder wann begann es aus welchen Gründen?

„Nach der unverhofften Zunahme unserer Kaninchenpopulation haben wir versucht, uns zu informieren, um mit den Jungtieren nichts falsch zu machen, aber jede gefundene Information warf nur weitere Fragen auf, weil sie unsinnig schien. Das betraf sowohl die Fachliteratur als auch Darstellungen aus dem Tierschutz. Die besten Informationen fanden wir eigentlich in der älteren Literatur, so z. B. von E. Mangold und K. F. Dorn.“

Welche Punkte regen Dich am meisten auf, wenn Du Anfragen reinbekommst oder über Fragen von Kaninchenhaltern stößt? Gibt es da sogenannte „Reizthemen“?

„Nein, es gibt keine Reizthemen für mich. Schlimm ist für mich immer nur, wenn ich erfahre, welchen Leidensweg Kaninchen teilweise schon hinter sich haben. Ich werde ja häufig erst dann kontaktiert, wenn Tierärzte keine Lösung mehr haben.  Eine Halterin hatte das ja vor Jahren schon einmal beispielhaft mit Deiner Hilfe für ihr Kaninchen dokumentiert (Enya).“

Anmerkung vom Langohrtraumzuhause: Den Erfahrungsbericht von Silke mit Enya findest Du hier: >>Klick mich<<

Fotorechte: Andreas Rühle

Würde es keine Kaninchen geben, was wäre das totale Gegenteil, was Dich auch immer brennend interessiert bzw. fasziniert hat?

Fotografie oder Grafik. Und Bücher schreiben. Ideal wäre eine Verbindung dieser Themen – also mit Bildern Zusammenhänge darstellen. Das wäre wohl aber auch etwas mit Tieren.

Was wir unglaublich beeindruckend finden: Du machst so viele Fotos oder Videos von Wildkaninchen. Man hat den Eindruck, Du musst irgendwo in der Natur campen, denn anders ist es doch kaum möglich diese scheuen Wesen so nah und intensiv zu beobachten. Wie muss man sich Andreas Rühle unterwegs also vorstellen?

„Ach, das passt ja super zur vorigen Frage. Leider habe ich viel zu wenig Zeit und auch nicht die entsprechende Ausrüstung, um das professionell zu machen. Aber wenn ich denn mal unterwegs bin, liege, sitze oder stehe ich stundenlang irgendwo in der Landschaft möglichst bewegungslos herum und warte …, und warte … und drücke dann tausendmal auf den Auslöser der Kamera, wenn sich eine gute Gelegenheit ergibt. Kaninchen reagieren extrem auf Bewegungen, weniger auf Gerüche und wenn sie einmal verschreckt im Bau verschwinden, dauert es oft 20-30 Minuten, bis sie sich wieder hervorwagen. Das „campen“ habe ich tatsächlich schon mal erwogen – also ein unauffälliges Zelt auf die Wiese stellen und daraus zu filmen oder zu fotografieren. Das hätte dann den Vorteil, dass man bei dieser Gelegenheit auch andere Tiere der Landschaften vor die Linse bekommt, die man sonst nur aus den Augenwinkeln wahrnimmt. Man darf sich ja nicht bewegen.“

Dein erstes Buch war schon ein sehr großer Erfolg und ganz etwas anderes, als der Kaninchenbuchmarkt bislang gesehen hat. Das zweite Buch ist noch intensiver, viel umfassender. Wie lange hast Du daran gearbeitet?

„Circa 4 Jahre. Ich mache das ja nebenberuflich. Die Idee dazu entstand eigentlich erst, nachdem ein großer Stuttgarter Verlag Interesse an einer Neuauflage von „Kaninchen würden Wiese kaufen“ zeigte. Deren kommerzielle Interessen kollidierten allerdings etwas mit meinen nach sachlicher Information mit einem entsprechenden Umfang, was mich aber auf die Idee für „Das Kaninchen – Nahrung und Gesundheit“ brachte.“

Wie recherchierst Du? Hast Du Zuhause eine Kaninchenbibliothek sämtlicher Werke, die es so gibt?

„Ja, in der Tat. Ich habe alles, was ich seit zwanzig Jahren recherchiere, auch digitalisiert. Damals war das Archivieren von Hardcopys noch etwas mühsam, aber heute gibt es neben der Möglichkeit des Scannens, auch e-books und Zugriff auf digitale Fachzeitschriftenarchive in Bibliotheken. Zudem habe ich Mikrofiche alter Bücher archiviert. Ich habe ganz sicher nicht sämtliche Werke, aber doch einen sehr großen Teil von Kaninchenliteratur in kurzer Zeit verfügbar, weil auf zwei Computerfestplatten verteilt. Manchmal kommt man auch ganz unverhofft zu Informationen. So schrieb ich zum Beispiel im Zusammenhang mit Recherchen zu falschen Darstellungen der Darmlänge von wilden im Vergleich zu domestizierten Kaninchen eine Bibliothek mit der Bitte um eine Kopie der zitierten Quelle an. Als Antwort erhielt ich das Original der Arbeit aus dem Jahr 1919 als Geschenk. In einem anderen Fall bat ich einen Archivar in Norddeutschland um die Kopie eines Artikels in einer Zeitschrift, die in keiner Bibliothek verfügbar war. Ich bekam die Kopie und unaufgefordert als Zugabe Kopien weiterer Artikel, von denen der Archivar meinte, dass sie mich auch interessieren könnten. So manch angeschriebener Autor einer wissenschaftlichen Arbeit gibt auf Anfrage auch zusätzliche Informationen weiter. Ich nutze jetzt einfach mal diese Gelegenheit hier und bedanke mich bei all den Menschen, die meine Recherchen unterstützen.“

Was liest Andreas Rühle denn, wenn es mal nicht um Kaninchen geht?

„Alles querbeet: Thriller, Krimis, Philosophie, Romane, Politik. Mein letztes, gelesenes Buch war von Marc Elsberg „Blackout – Morgen ist es zu spät“. Mein Lieblingsroman war und ist „Die Buddenbrooks“ von Thomas Mann.“

Zuhause leben noch andere Tiere. Hund(e) und Katze(n). Im bunny-in hatten wir leider einmal das unschöne Erlebnis mitbekommen, dass ein sonst kaninchenlieber Hund das „Langohr“ leider plötzlich im Maul hatte und man es nur noch erlösen konnte. Jahre war nichts. Wir haben deshalb immer dahingehend beraten, eine sehr nahe Begegnung, selbst wenn sie nur kurz ist (in dem Fall beim Saubermachen des großen Außengeheges, in dem eine Kaninchengruppe lebte), stets zu begleiten oder aber zu unterbinden. Einfach aufgrund des Jagdtriebs der Hunde. Genauso mit Katzen. Wie siehst Du das? Wie handhabt Ihr das in Eurem Zuhause? Und welchen Tipp würdest Du hier geben?

„Grundsätzlich teile ich Deine Empfehlung. Ich kann mir aber denken, warum es zu dem von Dir beschriebenen Vorfall kam. Wie auch immer: Katzen müssen grundsätzlich von Jungtieren ferngehalten werden, solange die nicht in der Lage sind, sich mittels Schnelligkeit und Größe adäquat wehren zu können. Und die Kaninchen sollten Katzen kennen, bevor sie in einer gemeinsamen Umgebung gehalten werden. Ich persönlich traue grundsätzlich keiner Katze, weil sie launische Tiere sind. Bei Hunden würde ich sagen, dass es nicht zwingend rasseabhängig ist. Unser Hund kam als Welpe zu uns und wurde in die Kaninchengruppe gesetzt. Er kannte sie also von Anfang an als Bestandteil der Familie. Heute bewacht er alles, was zu seiner Familie gehört. Ausnahmslos. Er beschützt junge Kaninchen vor unseren Katzen, wenn die sich anschleichen. Ich habe das auf Facebook dokumentiert. Einen Tipp kann und will ich nicht geben. Ich kann nur das beurteilen, was ich selbst kenne. Ich würde nie für ein fremdes Tier meine Hand ins Feuer legen.“

Welchen Kaninchenexperten kannst Du wärmstens empfehlen, von dem vielleicht sogar ein Andreas Rühle noch etwas lernt?

„Oh. Ich selbst sehe mich nicht als Experten. Wann ist man ein Experte? In der Heimtierhaltung, speziell von Kaninchen, ist das schwierig. Ich habe ja selbst angefangen mich zu informieren, weil ich keine zufriedenstellenden Antworten auf Fragen fand. Im Bereich der Verhaltensbiologie fallen mir z. B. Prof. Dr. Dietrich von Holst und Prof. Heiko Rödel ein. Es gibt aber mit Sicherheit viele „Kaninchenexperten“, die sich nicht öffentlich machen und deshalb nicht bekannt sind. Eigentlich schade. Unabhängig davon habe ich Kontakte in verschiedene Kreise von Kaninchenliebhabern und jeder kann vom anderen lernen.“

Das Langohrtraumzuhause sagt lieben Dank Andreas!

Wenn Du Andreas näher kennenlernen möchtest:
http://www.kaninchen-wuerden-wiese-kaufen.de/

Sein Facebook-Profil:
https://www.facebook.com/kwwk2015/

Rezension von uns zu seinem Buch:
http://www.langohrtraumzuhause.de/2019/04/01/das-kaninchen-andreas-ruhle/

Sein weiteres Werk:
Kaninchen würden Wiese kaufen bei Amazon



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